1.    Einleitung

Die nachfolgenden Ausführungen beschreiben den Weg und die Durchführung der Realisierung vom Plan bis zum fertigen Schiff.
Das Projekt hat den Namen Warex  erhalten, dieser leitet sich aus dem Zweck und Sinn des Schiffes her, welcher so definiert werden kann. Leben auf dem Wasser, Reisen mit diesem Schiff und sich dabei erholen oder Relaxen.

Doch zuerst sollen mal die Überlegungen, die zur Konstruktion dieses Schiffes geführt haben, dargelegt werden.

2.    Vorgaben

1.1.    Marktsituation

Der Markt bietet sehr viele Schiffe an, welche in unterschiedlichen Grössen zu kaufen sind. Aus meiner Sicht ist aber allen gemeinsam, dass diese nicht für den Gebrauch ausschliesslich auf Flüssen und Kanälen optimiert sind. Nehmen wir mal alle Gleiter weg, welche auf den Kanälen ohnehin nur im Leerlauf fahren dürfen (Teilweise ist die Geschwindigkeit auf 6 km/h begrenzt), wird die Auswahl schon wesentlich kleiner. Also braucht es einen klassischen Verdränger, der bei dieser Grösse auch max 12km/h fahren kann. Damit ist auch die teure Motorisierung in erträglichem Rahmen.
Wenn man nun auch noch die Form der Schiffe und das Platzangebot betrachtet, fällt auf, dass viele Angebote mit möglichst vielen Schlafplätzen daher kommen. Das hat aber auch wichtige Nachteile, denn dieser Platz fehlt dann für einen gemütlichen Aufenthalt oder für Stauraum.
Zudem sehen diese Schiffe heute alle sehr ähnlich aus, das heisst sie sind auf sogenannt schiffiges Aussehen getrimmt, die Form hat einen schlanken Bug und im Heck wird es auch wieder eng. Das geht aber auf Kosten des Platzangebotes und vergrössert dann auch auf die Gesamthöhe, sodass Tiefgang resp. Durchfahrtshöhe je nach Revier schon mal kritisch werden können.

1.2.    Anforderungen

Die Anforderungen an das hier vorgestellte Schiff können wie folgt umschrieben werden:
1.2.1.    Abmessungen
Die maximalen Abmessung sind so zu definieren, dass das Schiff ohne grosse Probleme transportiert werden kann. Das heisst eine Gesamthöhe von max. 3.6m, eine Breite unter 4m und eine Länge, welche noch auf einem Transportanhänger gut Platz hat.
Damit wird auch das Fahren auf den Kanälen und Flüssen keine Probleme wegen den Abmessungen bringen. Zudem sind die Liegeplatzkosten längenabhängig, einige Häfen haben auch nicht genügend grosse Liegeplätze zur Verfügung.
Damit ist klar, das Schiff soll ein Maximum an Platz innerhalb der Abmessungen bieten.
1.2.2.    Mannschaft
Da in den meisten Fällen ein Ehepaar sich mit dem Schiff auf Reisen begibt, soll auch das Raumangebot auf 2 Personen optimiert werden. Kommt doch mal Besuch an Bord und muss übernachten, kann aus dem Tisch ein zusätzliches Bett gemacht werden.
Das Raumangebot teils sich deshalb auch in 3 Bereiche: Schlafen mit dem sanitären Bereich, den Wohn- und Aufenthaltsraum und den Kochbereich.
1.2.3.    Autonomie
Wer schon mal eine solche Reise auf den Kanälen unternommen hat, weiss, dass die Liegeplatzsuche und dann auch die Nutzung des Angebotes im Hafen sehr viel Zeit kosten kann. In der Hochsaison sind die Plätze sehr früh belegt, man muss teilweise schon vorher reservieren. Braucht man dann noch Strom und Wasser, ist Geduld angesagt. Und Wäsche waschen wird fast unmöglich, es sei denn, man steht neben der Maschine und wartet, bis diese frei wird. Vor allem für längere Törns braucht das Schiff eine grosse Autonomie. Das heisst, man ist für mind. 2 Wochen nicht auf einen Hafen angewiesen, um zu tanken oder Strom zu beziehen, noch um Wäsche zu waschen.
Das bedeutet grosse Tanks für Trinkwasser und Abwasser, einen grossen Tank für Treibstoff und eine Ausrüstung, die genügend Strom zur Verfügung stellt und auch die notwendigen Geräte speisen kann. Dann sollte auch der Kühlschrank nicht zu klein sein, eine Waschmaschine gehört ebenfalls dazu.
1.2.4.    Schiffsausrüstung
Da man auf Flüssen und Kanälen normalerweise auf Sicht fährt, braucht es z.B. keinen Radar. Auch die übrige Ausrüstung hält sich im Rahmen. Natürlich braucht es neben einem Geschwindigkeitsmesser auch die üblichen Anzeigen, welche zum Motor mitgeliefert werden. Ein Ruderlageanzeiger ist sehr hilfreich beim Manövrieren, speziell in Schleusen. Und ein Bugstrahler sollte auch nicht fehlen, denn gerade in Schleusen kann man nicht immer so manövrieren, wie man es gelernt hat. Speziell dann, wenn z.B. ein Berufsschiffer keine Rücksicht nimmt und mit Vollgas aus der Schleuse fährt.
Aus meiner Sicht ist eines der wichtigsten Instrumente ein gutes Echolot. Nun aber nicht nur eines, das die Tiefe in Metern auf einer Skala anzeigt. Sondern eine grafische Anzeige, welche den Untergund vor dem Schiff abbildet. So kann man allenfalls noch reagieren, bevor man Grund berührt. Diese Geräte kosten entsprechend mehr, aber die Gefahr von Grundberührung ist in Kanälen und Flüssen gross, da einerseits die erhältlichen Karten zu wenig genau sein können und andererseits auch der Grund sich verändern kann. In Flüssen mehr als in Kanälen. Und das Echolot muss einen Alarm auslösen, wenn die Tiefe kritisch wird. Denn auch Berufsschiffer können auf Grund laufen, wenn sie nicht achtsam sind, wie das anfangs 2015 wieder mal passiert ist.
Dann ist sicher ein guter Anker ein Muss, denn wenn man nicht in einem Hafen anlegt, sollte sich das Schiff am anderen Morgen noch am gleichen Ort befinden.
1.2.5.    Antrieb
Für den Antrieb kommt schon aus Kostengründen nur ein Dieselmotor mit Wellenantrieb in Frage. Ein Benzinmotor käme mir nicht aufs Schiff, ist doch die Gefahr einer Explosion nie ganz gebannt. Zudem wäre Benzin auch teurer und nicht überall erhältlich. Da das Schiff ein Verdränger ist, ist die maximale Geschwindigkeit aus physikalischen Gründen direkt von der Schiffslänge abhängig. Bei den 10 Metern im Wasser sind dies 7.3 Knoten oder 13.5 km/h. Diese Geschwindigkeit soll aber nur gefahren werden, wenn es nicht anders geht, denn erstens braucht dies wesentlich mehr Treibstoff und zweitens sind die Motoren nicht ausgelegt für dauernden Vollastbetrieb.
Das Bugstrahlruder habe ich oben schon erwähnt.
Der Hauptsteuerstand befindet sich geschützt im Wohnraum. Hier sind auch alle technischen Ausrüstungen vorhanden. Ein zweiter (Schönwetter-) Steuerstand ist auf dem hintern Deck vorhanden. Hier sind nur die wichtigsten Ausrüstungsteile vorhanden. Diese sollten auch mal einen Regenguss ertragen.
1.2.6.    Das Revier
Die Reisen mit diesem Schiff sollen sich auf Flüsse und Kanäle beschränken (Binnen). Keine Fahrten in Küstennähe oder auf Seefahrtsstrassen (das sind Flüsse mit direkter Verbindung zum Meer).
Damit kann der Kontakt mit Salzwasser ausgeschlossen werden, welcher ja erfahrungsgemäss hohe Anforderungen an die Korrosionssicherheit des Schiffes stellt. Das soll nicht heissen, dass unser Schiff nicht optimal gegen Korrosion geschützt werden soll!
Zudem muss das Schiff nicht für hohen Seegang konstruiert werden. Es fallen diverse Ausrüstungsmerkmale weg, welche auch die Kosten erhöhen und teilweise auch im Handling aufwändiger sind. Aber auch hier heisst das nicht, dass das Schiff schon bei leichtem Seegang z.B. auf einem der Seen nicht mehr fahren kann. Aber da es eh kein gemütliches Fahren bei grösseren Wellen mehr ist, wird man dies sowieso bleiben lassen und mal einen Tag abwarten können.
Das Binnenrevier ist übrigens so gross, dass man es kaum je komplett abfahren wird. Es ist zusammenhängend und reicht von Südfrankreich über Belgien und Holland sowie Deutschland bis nach Polen und Ungarn.
1.2.7.    Baumaterialwahl
Das Schiff soll für Selbstbauer einfach zu bauen sein. Natürlich ist handwerkliches Geschick und vielleicht auch der eine oder andere Kurs notwendig. Der Rumpf und die Aufbauten werden aus Stahl gefertigt. Mögliche Alternativen wären Aluminium, hier ist aber ein sehr gut ausgebildeter Schweisser nötig. Zudem ist Alu wesentlich teurer. Glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) ist nicht so dauerhaft, wie es immer wieder gesagt wird. Aber auch hier braucht es zuerst eine Negativform. Deshalb ist diese Bauweise eher für Serien geeignet. Dann wäre da noch Holz. Aber auch Holz hat seine Tücken. Nebst der Konservierungsproblematik arbeitet Holz, da braucht es sehr viel Erfahrung damit das Schiff nicht eines Tage absäuft.
Stahl hingegen ist preiswert, kann relativ einfach bearbeitet werden und wenn man es richtig macht, ist Stahl auch sehr gut gegen Korrosion zu schützen.
Für den Innenausbau ist Sperrholz das ideale Material. Es bietet bei wenig Dicke sehr gute Stabilität und wenn es in AW100-Verleimung verwendet wird, ist es auch gegen Feuchtigkeit gut gewappnet. Aber aufgepasst, viel erhältliches Sperrholz ist nicht mit AW100 oder BFU100 verleimt, das kann in der Feuchtigkeit, die da schon mal einiges höher sein kann als in einer normalen Wohnung, sich verziehen oder ablösen.
Auch die Holzwahl muss gut überlegt sein. Viele Hölzer sind relativ weich und sehen sehr rasch unschön aus, wenn jeder Eindruck zu sehen ist. Ich habe deshalb Buche gedämpft gewählt, weil dieses harte Holz sehr ruhig gemasert ist, hell ist und nicht so stark nachdunkelt.

1.3.    Warum ein Selbstbau

Zuerst denkt man natürlich an die Kosten. Ein Selbstbau bedeutet, dass man Materialkosten hat und damit hat sichs. Ist natürlich nicht ganz richtig, denn dazu kommen noch all die Werkzeuge und nicht zu unterschätzen Transport und Krankosten. Und dann kann man in der Regel nicht so günstig einkaufen, wie das die grossen Werften können. Die Kosten alleine dürfen nicht dazu führen, ein Schiff selber zu bauen. Das kommt mit Garantie falsch heraus!
Eine bessere Motivation ist natürlich, dass man sein eigenes Schiff bauen will, weil das Angebot auf dem Markt nicht das hat, was man sucht. Und das bedeutet aber auch, dass sich der Selbstbauer mit diversen handwerklichen Disziplinen auskennt. Sonst kann es dann entweder sehr teuer werden, wenn man nach halber Arbeit doch noch den Handwerker braucht oder die Motivation geht flöten, weil man selber feststellen muss, dass man sich zu viel zugetraut hat. Dies vorweg mal als  Warnung!

Eine andere Möglichkeit soll nicht unerwähnt bleiben:
Der Kauf einer Occasion und die Restaurierung derselben. Selbstverständlich habe ich auch diese Variante genauer angeschaut. Die Anschaffungskosten für eine gute Occasion in dieser Grössenordnung belaufen sich auf durchschnittlich 40'000 Euro. Diese sind dann meisten so um die 30-40 Jahre alt. Dazu kommen in etwa gleich hohe Kosten für Bauplatz, Werkzeug und Transport wie beim Eigenbau. Der Ersatz der Innenausbauten kann dann doch noch viel Geld und Arbeit verschlingen. Am Ende hat man dann aber immer noch ein altes Schiff und ist an die bestehende Einteilung etc. gebunden. Und wenn man dann noch Pech hat, muss der Motor ersetzt werden oder am Rumpf sind rostige Stellen zu reparieren. Das läuft dann sehr rasch ins grosse Geld.
Zudem ist ein Aspekt nicht zu vergessen. Will man das Schiff, aus welchem Grunde auch immer, wieder verkaufen, ist die Occasion dann schon 50 oder mehr Jahre alt. Man wird kaum jemals den Preis bekommen, den man seinerzeit ohne Renovation bezahlt hat.

Sollte man sich den Stahlbau nicht zutrauen, kann natürlich auch eine Werft damit beauftragt werden. Welche Kosten dabei entstehen, kann nicht nicht beziffern, ich habe das nicht abgeklärt. Aber eventuell wäre das eine Lösung, um doch noch zu einem in diesem Konzept geplanten Schiff zu kommen. Auch eine dazwischenliegende Lösung mit Unterstützung eines Metallbaufachmannes oder zumindest eines guten Schweissers wäre denkbar.

Auf alle Fälle sind die Anforderungen an die handwerklichen Fähigkeiten und auch an das vorhandene oder zu beschaffende Werkzeug doch recht hoch. Wer hier immer noch nicht abzuschrecken ist, ist sicher ein Kandidat für den Selbstbau.

Ich fasse nochmals zusammen, was es braucht, um den Selbstbau erfolgreich durchzuführen:
•    Sehr gute handwerkliche Fähigkeiten oder dann zumindest Hilfen, die sich hier einbringen können
•    Die Motivation und Geduld, mehrere Jahre und viele Stunden in den Bau des Schiffes investieren zu wollen
•    Die Möglichkeit, einen geeigneten Bauplatz zu finden
•    Und dann doch noch genügend Geld, um auch über die geplanten Kosten noch etwas übrig zu haben